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Inkognito durch Kiew mit Vitali Klitschko

Florian Lamp
30.01.2014
Vitali Klitschko, Boxweltmeister und zukünftiger Präsident der Ukraine (Bild stammt von Wikimedia Commons)

Vitali Klitschko

 

Es ist nicht ganz einfach, gerade in diesen Tagen, ein Interview mit Vitali Klitschko zu bekommen. Ständig hängt ein ganzer Pulk von Leibwächtern, BILD-Reportern und Anhängern wie ein Rattenschwanz an ihm, immerzu droht eine Attacke von schwer bewaffneten Sicherheitspolizisten im He-Man-Look, wer Freund ist, und wer Feind, das scheint nicht ganz klar, wenn man normale Ukrainer sieht, auf die von der Polizei eingeprügelt wird und an der nächsten Straßenecke dann Rechtsradikale Schlägertrupps beim lustigen Haudraufspiel mit eingekesselten Polizisten sieht. Vitali Klitschko, das steht fest, muss für unser Gespräch, getarnt sein.

 

In meinem Handgepäck verstaue ich deshalb falsche Bärte (von Hitler über Stalin bis Lenin und Dschinghis Khan) sowie eine naturkrause mittelblonde Perücke sowie eine Fake-Glatze.An unserem Treffpunkt auf dem Majdan angelangt, warte ich keine 5 Minuten, bis Vitali vor mir steht, seinen Bruder Wladimir im Schlepptau. Beide 2 Meter irgendwas groß, gutaussehend, leicht erkältet, rote Nasen. Kurzer Plausch mit den Securitys, man leitet uns drei zu einem nahen Hotel, wir steigen zu dritt in einen Aufzug, siebter Stock, Wladimir zieht den Nothalt, wir halten zwischen der dritten und der vierten Etage.

 

Schnell wie im Ring entscheidet sich Vitali für seine Tarnung, den Leninbart und die falsche Glatze; beides bringe ich fachmännisch an. Aus dem Spiegel schaut uns ein völlig veränderter Mensch an – es gibt nur ein Problem, wenn wir beide so auf die Straße gehen. Selbst in der Ukraine sind mehr als zwei Meter Körpergröße nicht gerade die Regel. Was tun? Wladimir ist beim Überlegen auch keine große Hilfe, er schaut ratlos und vertilgt eine Milchschnitte nach der anderen, während Vitali sein Gesicht in Falten legt, um bei mir den Anschein zu erwecken, er denke angestrengt nach.

 

Lee-Strassberg-Seminar in New York, Intensivkurs „Nachdenklich gucken“, Basiskurs. Ich überlege, hier alles abzubrechen, mich mit Vitali in ein Hotelzimmer zurückzuziehen und eine 0815-Geschichte draus zu machen, als mir ein Gedankenblitz durchs Kleinhirn schießt: „Zwerge sind unauffälliger als Riesen!“ Vitali hat zwar schon länger keinen Kampf mehr bestritten, aber dennoch ist er noch topfit dank täglichen Trainings, Seilspringen und dem ganzen Gedöns. Seine Beine sind gut, er kann sich drehen und wenden, seine Gelenke sind perfekt und wirklich, er kann sich verknoten wie ein Gummimensch aus dem chinesischen Staatszirkus. Mit mehreren Seemannsknoten binde ich Vitalis eingeknickte Unter- an die Oberschenkel und sorge gleichzeitig mit Hilfe einer komplizierten Schuhriemenverschließtechnik (Der Stuntebeck’sche Knoten) dafür, dass seine Knie gut in den Winterstiefeln halten.

 

Anfangs noch etwas wackelig, aber dann immer geübter läuft Vitali auf seinen Knien. „Lassen Sie uns rausgehen, Herr Cornelius!“ Die Tarnung funktioniert perfekt, langsam schlendern der jetzt nur noch 1,75 große Vitali und ich durch die Fußgängerzone von Kiew, den Andreas-Steig, schauen uns bei Foot Locker ein paar Boxhandschuhe an, lauschen mehrere Minuten einem gestrandeten Straßensänger mit Wursthaaren, der eine wunderbare Version von Nirvanas „Smells like Teen Spirit“ im Reggae-Rhythmus zum Besten gibt und als Dank von Vitali einen McFit-Gutschein in den Hut geworfen bekommt und trinken einen Kaffee Ukraina (eine Spezialität aus in Sotschi angebauten Kaffeebohnen, der mit einem Schuss Wodka und einer Hand voll Schnee aufgeschäumt wird) im über alle Landesgrenzen hinaus bekannten Kaffeehaus Холодний Хунд, was so viel wie „Kalter Hund“ bedeutet.

 

Vitali erzählt viel über die rauen Tage auf dem Majdan, die Person Jaunkowitsch, lästert ein wenig über seine Mitkämpfer aus dem rechtsradikalen Politikbetrieb, bittet mich aber, in meiner Reportage nichts weiter dazu zu sagen, denn er plane, diese Leute nach dem Sieg bei der Revolution einem nach dem anderen („für die Frauen werde ich Regina Hallmich engagieren“) im Ring auszuknocken. Schließlich, der geschmolzene Schnee hat in unseren Kaffeetassen einen Satz aus verbrannten Autoreifen und Barrikaden hinterlassen, bittet er mich zum Aufbruch, denn er wolle mir doch noch so gerne ein ganz besonderes Gemälde zeigen, dass bei ihm großen Eindruck hinterlassen habe und das ihm Mut spende, wenn er sich mal wieder den Allerwertesten abfriere, um sein Land zu retten.

 

Der Weg führt zurück Richtung Majdan ins „Nationale Museum für Kunst der Ukraine“. Zielstrebig meistert Vitali Klitschko auf seinen Knien den Weg über die steilen Marmortreppen hinauf in den siebten Stock, biegt mehrmals ab und dann ist es so weit: ein großer Raum, hell illuminiert von einem prächtigen Kronleuchter, Spotlights auf ein einziges Gemälde, das allein an einer weißen Wand hängt, gleichzeitig Verlorenheit wie Zusammengehörigkeitsgefühl ausdrückt, einen zukunftsfreudigen wie auch desillusionierten Blick innehat und zwei Personen in schwarzem Ornat zeigt.

 

Vitali Klitschko hält inne, beinahe habe ich den Eindruck, er wolle auf die Knie fallen, was er ja rein technisch schon tut. Ich vergesse zu atmen, beobachte, wie er näher ans Bild kriecht, sich verneigt und dann zu mir umdreht: „Sie müssen wissen, Herr Cornelius, dass dieses Gemälde vom ukrainischen Goya stammt, TOMMY ist sein Künstlername – mit vollem Namen heißt er Dmitri Tommyschenko. Jetzt werden Sie sagen, warum ist das Bild so wichtig für mich? Das ist ganz einfach, denn für dieses Bild standen meine Eltern Model an der Kunsthochschule in Charkiw, als mein Vater noch nicht für die Armee gearbeitet hat. Meine Eltern waren jung und brauchten die Rubel, aber sie haben nicht ihren Stolz verloren. Erst nach Protest meines Vaters gegen die Ringrichterentsch … gegen die fertiggestellte Arbeit von TOMMY wurden die schwarzen Kleider aufgemalt. Und jetzt hängt es hier als Symbol für die Eintracht der Ukraine …“

 

Vitali verdrückt sich eine Träne, während ich ergriffen den Boxweltmeister und zukünftigen Präsidenten der Ukraine in den Arm nehme und anschließend huckepack zurück auf den Majdan trage.

 

Floericke-Online.de

Florian Lamp
02.02.2011
RIP Dr. Kurt Floericke (* 23. März 1869 in Zeitz; † 29. Oktober 1934 in Stuttgart)

Dr. Kurt Floericke lebt nicht nur in der Wiederveröffentlichung seiner "Nagetiere" weiter, sondern auch online. Hierzu sei auf die kleine Homepage des Floericke-Biografen Dr. Ulrich Franke verwiesen.

Dr. Franke gebührt großer Respekt, denn schließlich leitete er mit seiner Biografie Floerickes, "Dr. Curt Floericke. Naturforscher, Ornithologe, Schriftsteller", die Welle des Floericke-Revivals ein, auf der der GROSSKONZERN jetzt ganz vorne reitet.

Erschienen ist Dr. Frankes Dr.-Floericke-Werk bei Books on Demand und die ISBN-Nummer ist 978-3-8370-8545-7. Neben einem kurzen Abriss von Floerickes Leben findet sich eine beeindruckende Bibliografie der Werke Floerickes. Knapp 100 Bücher und mehr als 800 Zeitschriftenbeiträge listet Dr. Franke akribisch auf.

Wäre Floericke heutzutage noch lebendig, ich bin mir sicher, er würde bloggen, was das Zeug hält. So bleibt es nur Herrn Dr. Franke und dem GROSSKONZERN übrig, ihm die Ehre zu erweisen und auch im Internet an ihn zu gedenken. 

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