Horst Rehmanns "Die Maus" vs. Sabine Brauns "Kleine Maus" - Teil 1

Florian Lamp
26.07.2011
Die Gedichte-Oase: Dichten oder Verdursten

Die folgenden beiden Texte werden in den kommenden Tagen genau unter die Lupe genommen. Heraugearbeitet werden soll der Unterschied zwischen Mann und Frau an Hand von Nagetier-Gedichten.

Zunächst zur Einleitung: Auf http://www.gedichte-oase.de/ finden sich genau zwei Gedichte zum Thema Maus. Dasselbe Thema wird hier allerdings geschlechtsspezifisch stark unterschiedlich behandelt (vgl. Mario Barth: "Der geschlechtsspezifische Jokus an Hand eines zweistündigen Feldversuchs im Olympiastadion 2009". Suhrkamp Berlin 2010.). Im Rahmen dieses Blog folgen nun heute die beiden Gedichte und in den folgenden Tagen zwei textkritische Interpretationen der von Horst Rehmann und Sabine Brauer (56 Jahre) gedichteten Werke sowie eine Conclusio sine Qua non.

Beide Dichter sind auf der Gedichte-Oase weltweit bekannt, Horst Rehmann liegt allerdings mit 256 Gedichten und 664.511 Klicks ein wenig vor Sabine Brauer, die immer noch beachtliche 54 Gedichte veröffentlicht hat, die 4.383mal angeklickt wurden und von denen 48 sogar Bildgedichte sind.

Aber Schluss mit der Einführung, Bühne frei für Sabine Brauer und Horst Rehmann

 

Kleine Maus
Ein Gedicht von Sabine Brauer

Kleine Maus auf dem Schrank,
sag, was machst du da oben?
Deine Äuglein so blank,
die Pfötchen erhoben.
Schaust mich an, kleine Maus
so neckisch zufrieden.
Gleich schmeiß´ ich dich raus!
Aber wie? Sag´ mir, wie denn?

Schau nur, wie niedlich
dein Öhrchen du spitzt,
und süß und friedlich
auf der Schranktür du sitzt.
Von der Falle im Schrank,
da halte dich ferne!
Schnappt sie zu, werd´ ich krank.
Ich hab´ dich zu gerne!

Weißt du, ich bin wie du
oft, wo ich gar nicht sein soll.
Probier dumme Sachen aus
und finde sie echt toll.
Doch dann merke ich bald,
was ich tu, dass es schlecht ist,
weil es vor Gott, dem Herrn
und den Menschen nicht Recht ist.

Ja, dann kehre ich um
und ich bitt´: "Herr ,vergib mir!
Ich war böse und arg
und mein Herz war voll Gier.
Hör mich an, Jesus Christ,
ich bin voller Reue,
und ich sage dir Dank
für deine Liebe und Treue!"

 

 

Die Maus
Ein Gedicht von Horst Rehmann

In meinem Keller rennt ´ne Maus,
über Schrank, Regal und Stangen,
wenn ich sie seh´, packt mich der Graus,
werd versuchen sie zu fangen.

Des Nachbarn Katze kommt grad´ recht,
sie kennt sich aus mit dem Getier
und fangen kann sie auch nicht schlecht,
soll deshelb schnell mal helfen hier.

Ich sperr sie in den Kellerraum,
hör laut Gepolter und Gejammer,
nach einer Stunde glaub ich´s kaum,
mein Keller gleicht ´ner Rumpelkammer.

Die Katz verschwindet wie der Blitz,
hat nur Chaos hinterlassen,
die Maus schaut aus ´nem Mauerschlitz,
zieht ganz spitzbübisch Grimassen.

Bei mir ist die Geduld am Ende,
ich stell auf mit Speck ´ne Falle,
setz mich nur hin, falte die Hände,
lass gescheh´n der Dinge alle.

Nach einer Weile geht´s laut, klick,
die Maus hängt fest am Kragen,
gebrochen ist nun ihr Genick
- und ich stell mir die Fragen.

Was mach ich mit dem toten Tier,
und wo soll ich es entsorgen,
ich steh heut völlig ratlos hier,
ohne Hilfe - auch noch Morgen.

 

 

 

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